Tabori, George
Geb. 24.5. 1914 in Budapest (k.k. Österreich-Ungarn), gest. 23.7. 2007 in Berlin. Journalist, Kritiker, Regisseur, Schriftsteller Übersetzer.
Der zweisprachig aufgewachsene G. T. (seine Mutter Elsa war die Tochter eines österr. Kurarztes) wuchst zunächst unwissend über seine jüdische Herkunft auf. 1932 begann er in Berlin auf Drängen seines Vaters Cornelius (einem Journalisten) eine Hotelfachlehre, kehrte aber 1933 aufgrund der veränderten Verhältnisse nach Budapest zurück. 1935 emigrierte er nach Großbritannien zu seinem Bruder Paul, der dort ebf. als Journalist und Autor tätig war. 1941 erhielt er die brit. Staatsbürgerschaft und wirkte zuerst für die BBC und dann als Nachrichtenoffizier bis 1943 in der brit. Armee in Istanbul. In London entstand auch sein erster Roman Beneath the stone (1943). Nach dem Krieg übersiedelte er 1947 in die USA, um in Hollywood als Drehbuchautor, u.a. für A. Hitchcock, eine Karriere zu starten und in Santa Barbara, in der Hotel-Pension von Salka Viertel zu wohnen. Dort trafen sich herausragende europäische Intellektuelle und vertriebene Schriftsteller und Kritiker wie z.B. Christopher Isherwood, Aldous Huxley, Th. W. Adorno, B. Brecht, L. Feuchtwanger, Heinrich und Thomas Mann u.a.m. 1947 half er dem Regisseur Ch. Laughton bei der Aufführung des Brechtstückes Das Leben des Galileo Galilei, das er bei dieser Gelegenheit ins amerikanische Englisch übertrug. 1954 verehelichte er sich mit der aus Schweden gebürtigen Schauspielerin und Regisseurin Viveca Lindfors und zog mit ihr und ihren Kindern aus vorangegangenen Ehen nach New York, um dort alsbald auch als Regisseur tätig zu werden. 1966 gründete er die bald renommierte Theatergruppe The Strolling Players, mit der er häufig auf Tourneen ging. Seinen Durchbruch als Theaterautor hatte er 1968 mit The Cannibals, welches den Hunger und Kannibalismus im KZ Auschwitz thematisierte und dessen deutsche Erstaufführung 1969 am Westberliner Schillertheater trotz gegenläufiger Befürchtungen in einen beeindruckenden Erfolg mündete. 1971 übersiedelte er, parallel zur Trennung von seiner Frau, nach Deutschland, wo er 1975 das Bremer Theaterlabor gründete und bis 1978 leitete. Nach untergriffigen Debatten über seine experimentelle Kafka-Inszenierung von Der Hungerkünstler verließ Tabori Bremen und ging nach München, wo er in den 1980er Jahren wichtige Erfolge wie z.B. die Aufführung von Becketts Warten auf Godot feiern konnte. Ab 1986 verlegte seinen Lebens- und Schaffensmittelpunkt bis Ende der 1990er Jahre weitgehend nach Wien, wo er wieder eine eigene Truppe gründete, nämlich Theater der Kreis und unter C. Peymann am Burgtheater reüssierte. Dort wurden auch wichtige eigene Stücke uraufgeführt, z.B. Mein Kampf, Goldberg Variationen, Requiem für einen Spion, Weisman und Rotgesicht oder Ballade vom Wiener Schnitzel. Seine letzte Arbeitsphase verbrachte er am Berliner Ensemble (wieder unter Peymann).
Materialien und Quellen:
Eintrag von Jan Strümpel in: A.B. Kilcher (Hg.): Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur. 2. Aufl. 2012, S. 493-495; Eintrag im: filmportal.de: https://www.filmportal.de/person/george-tabori_908eea308c794e4088cbe5f325ed80a0; Hildegard Werner: Fremdsein gehört zu meinem Beruf. Zum 100. Geburtstag von G. Tabori. In: Deutschlandfunk, 24.5. 1914;
Literatur (Auswahl):
Peter Höyng (Hg.): Verkörperte Geschichtsentwürfe: George Taboris Theaterarbeit / Embodied Projections on History: George Tabori’s Theater Work. Tübingen: Francke 1998; Gundula Ohngemach: George Tabori. Regie im Theater. Frankfurt: Fischer 1993; Anat Feinberg: George Tabori. Stuttgart: dtv 2003; Andrea Welker: George Tabori: Chronik – Vom Luxus des Offenen und Unfertigen. Weitra: Bibl. der Provinz 2015.
(PHK, in preparation)




