Handbücher

Darstellungen zur deutschsprachig-jüdischen Literatur seit der Aufklärung



HB 2: Orte und Räume

Die Produktivität raumtheoretischer Fragestellungen für die deutschsprachig-jüdische Literatur resultiert wesentlich aus der als spezifisch erachteten »Dimension des Raums im Judentum« (A. Neher). Paradigmatisch zeigt sich die spezifische Raumbezogenheit der jüdischen Kultur in der Gleichsetzung von Gottes- und Raumbegriff: HaMakom – »der Ort« – fungiert auch als einer der Gottesnamen. Über die in der Diaspora und Erez (Israel) topographisch und ontologisch bestimmbaren Orte hinausgehend, konstituiert sich Raum u.a. als phänomenologisch relevantes Konstrukt von Wahrnehmung, als Ergebnis sozialer Interaktion sowie durch das Erzählen und Schreiben darüber.

Der Band untersucht diese Produktivität der Kategorie Raum unter Berücksichtigung aktueller Forschungsergebnisse über jüdisch relevante Topographien und Raumkonfigurationen, wie sie insbesondere durch den »spatial turn« in den Jewish Studies seit der Jahrtausendwende hervorgebracht wurden. Dabei gilt es auch, die in geschichtswissenschaftlichen und kulturanthropologischen Kontexten gewonnenen Erkenntnisse für literaturwissenschaftliche Fragestellungen nutzbar zu machen und für die Untersuchung der spezifischen – medial und materiell bedingten – Räumlichkeit der Literatur zu perspektivieren. Derart versteht sich das Handbuch als Beitrag zur Etablierung raumtheoretischer Forschung innerhalb der jüdischen Literaturstudien, aber auch als Beitrag zur notwendigen Erweiterung der literaturwissenschaftlichen Raumforschung um die in der deutschsprachig-jüdischen Literatur vermittelten Einsichten in räumliche Ordnungen, raumbezogene Praktiken und Prozesse.

Gliederung und Keywords:

Raumbezogene Konzepte und deutschsprachig-jüdische Literatur; Raumbezogene Gattungen, Tropen und Figuren; Literarische Topographien und Raumdiskurse; religiöse, soziale und politische Räume; Räume und Praktiken der Literatur.

Auswahlbibliograhie

Projektmitglieder

  • Primus-Heinz Kucher

  • Alexandra Strohmaier

  • Johanna Pfuhl-Rybizki