Adler, H.[ans] G.[ünther]

Geb. 2.7.1910 in Prag, gest. 21.8.1988 in London; Essayist, Kritiker, Pädagoge, Schriftsteller, Shoa-Überlebender.

Der Sohn des jüdischen Buchbinders und Kaufmanns Emil Alfred Adler und seiner Frau Alice Adler, geborene Fraenkel, absolvierte in den 1920er Jahren verschiedene deutschsprachige Schulen, aber auch, verbunden mit den Gymnasialjahren, eine mehrjährige (zwischen 1921-30) Internatserfahrung, die ihn bedrückte und die er später als „erste KZ-Erfahrung“ verbuchen sollte. 1930 inskribierte er an der Deutschen Univ. Prag die Fächer Musik-, Kunst- und Literaturwissenschaften, daneben Philosophie und Psychologie und promovierte 1935 mit einer Arbeit über Klopstock und die Musik. Von 1935 bis 1938 arbeitete er am Volksbildungshaus Urania sowie für das deutschsprachige Programm des tschechischen Rundfunks.

Nach der NS-Okkupation der Tschechoslowakei und einem missglücken Fluchtversuch (1939) schlug er sich bis 1941 mit verschiedenen Tätigkeiten im Umfeld der Kultusgemeinde durch, wurde dann zur Zwangsarbeit verpflichtet und im Februar 1942 gemeinsam mit seiner Frau Gertrud Klepetar (verh. seit 1941) in das Ghetto-KZ Theresienstadt verbracht. Dort beschloss er, Aufzeichnungen zu führen und den Lageralltag wie die Lagergewalt festzuhalten.  Im Oktober 1944 wurde er zusammen mit seiner Frau und seiner Schwiegermutter nach Auschwitz deportiert, wo sie nach der Selektion getrennt wurden; zuvor hat er Leo Baeck noch seine Aufzeichnungen übergeben, der diese auch retten konnte. Ende Okt. 1944 wurde er in ein Außenlager des KZ Buchenwald überstellt, im Feb. 1945 in ein weiteres nahe Halberstadt, wo er als Lagerschreiber die letzten Monate zubrachte und wiederum Aufzeichnungen aber auch Gedichte verfasste. Nach der Befreiung kehrte er zunächst nach Prag zurück, kümmerte sich um die wenigen verbliebenen Überlebenden, u.a. um den Künstler Yehuda Bacon sowie um das Jüdische Museum. Nach Aberkennung der tschech. Staatsbürgerschaft und der zunehmenden Stalinisierung floh er im Februar 1947 nach Großbritannien, wo er auf eine Reihe emigrierter Jugendfreunde wie z.B. Franz Baermann Steiner traf aber auch auf Elias Canetti, Erich Fried u.a.m. In London heiratete er in zweiter Ehe (seine Gattin hat Auschwitz nicht überlebt) die ebf. aus Prag emigrierte Schnitzerin und Bildhauerin Bettina Gross.

Materialien und Quellen:

Eintrag bei: Buchenwald-Gedenkstätten: hier.

Eintrag bei: Theresienstadt-Lexikon: hier.

Christoph Vormweg: 1 Geburtstag des Schriftstellers H.G. Adler. WDR Zeitzeichen 2.7.2010 (Stand: 2020)

(work in progress)