Fried, Babette

Geb. 26.10. 1850 in Čkin/Čkyné (Südmähren, Österreich-Ungarn/Tschech. Republik) als B. Freund, gest. 29.11.1914 in Vřešova/Doglasgrün (Österreich-Ungarn/Tschech. Republik). Schriftstellerin, Mitbegründerin der deutschsprachig-jüdischen Kinderliteratur.

B. Fried lebte nach ihrer Verheiratung mit einem Kaufmann in Prag; 1878 eröffnet sie unter ihrem Namen eine Gemischtwarenhandlung am Tabor, wie eine enstpr. Kundmachung in der Wiener Ztg. (3.1.1878, 17) nahelegt. Im Mai 1888 wurde über dieses Geschäft der Konkurs eröffnet (Prager TgBl. 2.5.1888), was zur Folge hatte, dass sich Fried auch aus finanziellen Gründen dem Verfassen von Novellen und Erzählungen zuwandte, die bald danach in Zeitschriften zum Abdruck kamen, etwa in Dr. Blochs Österreichische Wochenschrift. 1901 wurde ein Teil dieser Texte im Bd. Tausend und eine Nacht in der Jeschiwa in Buchform veröffentlicht. Ab 1902 publizierte sie regelmäßig in der seit 1861 erscheinenden Wiener jüd. Wochenschrift Die Neuzeit Novellen in Fortsetzungsfolgen, darunter z.B. Reb Zigeuner (Nr. 43-44/1903) oder Unter Antisemiten (Nr. 45-51/1903) ab 1904-1913 regelmäßig auch im Brandeis‘ illustrierten israelitischen Volkskalender. In jenen Jahren war sie auch im Vorstand des ‚deutschen Vereins‘ ›Frauenfortschritt‹ tätig, der u.a. Lesungen und (karitative) Festveranstaltungen durchführte. In einer Grußadresse zu ihrem 60. Geburtstag bezeichnete sie das Prager TBl. als „Verfasserin gemütlicher Ghettogeschichten“ und Mutter von zehn großgezogenen Kindern (PTBl. 26.10.1909, 3). 1910 konnte sie in der Selbstwehr ihre Novelle Zurückgefunden veröffentlichen, 1911 erschien erstmals auch im Prager Tagblatt mit Katholisch geschieden eine ihrer Erzählungen. Ihr Tod wurde auch in der Wiener NFP kundgemacht; der Prager ›Klub deutscher Schriftstellerinnen‹ widmete ihr einen Gedenkabend. (PTBL. 10.12.1914)

Weitere Werke: Erlebtes und Erdachtes (Ghettogeschichten, 1903)

Quellen und Dokumente:

Stark ist die Liebe, wie der Tod (Nov.), Die Neuzeit, 5.9. 1902, S. 8-10 bzw. 12.9., 19.9. u. 26.9. 1902; In der Laubhütte. In: Die Neuzeit, 17.10.1902, S. 11-12 (bis 3.1.1903); Katholisch geschieden. In: Prager Tagblatt, 10.12.1911, S. 47. Unter Antisemiten. In: Die Neuzeit, 6.11.1903, S. 509-510 bis Die Neuzeit, 18.12.1903, S. 577-578.

Literatur: G. von Glasenapp, H. O. Horch (Hgg): Ghettoliteratur. Eine Dokumentation (Tübingen 2005), 879-883; A. Völpel, Z. Shavit: Deutsch-jüdische Kinder- und Jugendliteratur. Ein literaturgeschichtlicher Grundriss. Stuttgart 2002, 179f.

(PHK, 8/2021)