Lewald, Fanny
Geb. 14.3. 1811 in Königsberg, Kgr. Preußen als F. Marcus; gest. 5.8. 1889 in Dresden, Dt. Reich. Schriftstellerin, Frauenrechtsaktivistin.
Lewald wuchs in einem jüdisch-liberalen Elternhaus auf und wurde zunächst von ihrem Vater sehr gefördert. Doch mit 13 Jahren musste sie die höhere Töchterschule verlassen, um sich – über Aneignung häuslicher Kompetenzen – auf eine evtl. Ehe vorzubereiten. 1828 konvertierte sie zum Christentum, um eine Ehe mit einem jungen Theologen eingehen zu können, der jedoch unerwartet davor verstarb. Den Winter 1832-33 verbrachte sie mit ihrem Vater in Breslau bei Verwandten, wobei der Vater hoffte, für seine Tochter einen passenden Gatten zu finden, sie selbst sich aber in ihren Cousin verliebte, der sich jedoch wenig interessiert zeigte. Diese Erfahrungen festigten in ihr die Überzeugung, sich fortan für eine bessere Mädchen-Bildung einzusetzen und die freie Partnerwahl als Weg zur Emanzipation junger Frauen aus patriarchalischen Familienstrukturen zu sehen. Darüber hinaus kam sie in Breslau über ihren Onkel Friedrich Lewald mit den Schriften des Jungen Deutschland in Kontakt sowie alsbald mit dem anderen Onkel August Lewald, dem Herausgeber der Zeitschrift Europa. Dort platzierte er ohne ihr Wissen an ihn gerichtete Reiseberichte, womit in der Folge die Entscheidung zur literarischen Arbeit verbunden war. Zunächst anonym erschienen rasch zwei Romane, Clementine (1842) und Jenny (1843), der sie als Schriftstellerin durchsetzte und große Resonanz erzielte, d.h. mit rund 4000 Exemplaren ihr auch finanzielle Unabhängigkeit einbrachte, die Übersiedelung nach Berlin ermöglichte, wo sie auf ‚prominente‘ Zeitgenoss:innen traf wie z.B. Karl Gutzkow oder Louise Mühlbach und Theodor Mundt und nach einer Italienreise (1845/46) auch einen gut besuchten (literarischen) Salon eröffnete. In Italien lernte sie auch den damals verheirateten Gymnasiallehrer und Publizisten Adolf Stahr kennen und lieben, den sie schließlich, nach dessen Scheidung, 1854 heiraten sollte. Bereits in Jenny sind die zentralen, autobiographisch mitgrundierten Themen aufzufinden: die Frage der Bildung der Frauen, der offene und latente Antisemitismus, die Demokratisierung der Gesellschaft und Kultur, sowie der familiären Beziehungsmuster, die Überwindung der Standesunterschiede und die Zurückdrängung der Konvenienzehe.
Materialien und Quellen (Auswahl)
Eintrag von Renate Möhrmann auf: NDB; Eintrag von Eva Lezzi in: A.B. Kilcher (Hg.): Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur, 2. Aufl. 2012, S. 333-335; Eintrag (engl.) von Gisela Brinker-Gabler auf: Jewish Women Archive.
Forschungsliteratur (Auswahl):
Gabriele Schneider: Fanny Lewald. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1996; Margaret E. Ward: Fanny Lewald. Between Rebellion and Renunciation. New York u. a.: Peter Lang 2006; Jana Mikota: Jüdische Schriftstellerinnen – wieder entdeckt: Fanny Lewald. In: Medaon. 2, 2008, Heft 2; Christina Ujma: Fanny Lewald (1811–1889). Studien zu einer großen europäischen Schriftstellerin und Intellektuellen. Bielefeld: Aisthesis 2011; Krimhild Stöver: Leben und Wirken der Fanny Lewald: Grenzen und Möglichkeiten einer Schriftstellerin im gesellschaftlichen Kontext des 19. Jahrhunderts. Hamburg: Igel 2013;
(PHK, in preparation)




