Mannheim, Karl
Geb. 27.3. 1893 in Budapest (k.k. Österreich-Ungarn), gest. 9. 1. 1947 in London. (Kultur)Philosoph, Soziologe, Professor, Exilant.
Nach der abgelegten Gymnasialmatura studierte K. M., der in freunschaftlicher Beziehung zu Arnold Hauser (Kunsthistoriker) und Georg Lukács stand und mit ihnen die Freie Schule für Geisteswissenschaften mitbegründete, in Budapest, Freiburg und Berlin sowie Heidelberg Philosophie und Soziologie und schloss das Studium 1918 mit der Promotion ab. Anschließend verließ er aufgrund der politischen Situation (Rätediktaktur bzw. präfaschistische Militärdiktatur) im Jahr 1919 Ungarn und ging nach Deutschland, insbes. nach Heidelberg, wo er in den Folgejahren bis 1925 bei Carl Alfred Weber, dem Bruder von Max Weber und einem bedeutenden Kulturphilosophen, sich habilitierte. Aus diesen Heidelberger Jahren und der Habilitation ging nach dem ersten resonanzreichen Text Das Problem der Generationen (1928, publ. in: Kölner Vierteljahreshefte für Soziologie, Nr. 7/ 1928) sein wichtiges und einflussreiches Werk Idelogie und Utopie als Schlüsseltext der sich etablierenden Wissenssoziologie (1929) hervor. 1930 wurde er an die Univ. Frankfurt berufen, wo ihm u.a. Norbert Elias zur Seite stand. 1932 folgte die Schrift Die Gegenwartsaufgaben der Soziologie; 1933 wurde er aufgrund seiner jüdischen Herkunft vom NS-Regime entlassen und emigrierte nach Großbritannien, wo er zunächst Dozent an der Londoner School of Economics and Political Science und danach Professor of Education an der Univ. London wurde.
Materialien und Quellen:
Eintrag auf wikibooks-Soziologische Klassiker; Eintrag von Dirk Käsler in: NDB; Eintrag auf: https://agso.uni-graz.at/archive/lexikon/klassiker/mannheim/28bio.htm; Eintrag in Metzler Lexikon der Philosophie;
Bespr. von [K..i; vermutl. A. Kolnai]: Politik als Wissenschaft [zu: Ideologie und Utopie], in: Pester Lloyd, 29.12. 1929, S. 4; Otto Neurath: Bürgerlicher Marxismus. In: Der Kampf, H. 5/1930, S. 227-232.
Forschungsliteratur (Auswahl):
Éva Karádi, Erzsébet Vezér (Hgg.): Georg Lukács, Karl Mannheim und der Sonntagskreis. Frankfurt a. M.: Sendler 1985; David Kettler, Volker Meja, Nico Stehr: Politisches Wissen. Studien zu Karl Mannheim. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989; David Kettler, Volker Meja: Karl Mannheim and the Crisis of Liberalism. New Brunswick/London: Transaction Publishers 1995; Reinhard Blomert: Intellektuelle im Aufbruch. Karl Mannheim, Alfred Weber, Norbert Elias und die Heidelberger Sozialwissenschaften der Zwischenkriegszeit. München: Hanser 1999; Reinhard Laube: Karl Mannheim und die Krise des Historismus. Historismus als wissenssoziologischer Perspektivismus. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2004; Michael Corsten: Karl Mannheims Kultursoziologie. Eine Einführung. Frankfurt a. M.: Campus 2010; Stephan Moebius: Soziologie in der Zwischenkriegszeit in Deutschland. In: Karl Acham, Stephan Moebius (Hgg.): Soziologie der Zwischenkriegszeit. Ihre Hauptströmungen und zentralen Themen im deutschen Sprachraum. Wiesbaden: Springer 2021; Zeitschrift für Ideengeschichte, Nr. 3/1925: Schwerpunkt K. Mannheim: https://www.wiko-berlin.de/wikothek/zeitschrift-fuer-ideengeschichte/heft/karl-mannheim.
(PHK)




