Schnitzler, Arthur

Geb. 15.5.1862 in Wien, gest. 21.10. 1931 in Wien. Arzt, Schriftsteller.

Schnitzler, der dem assimilierten und akkulturierten Wiener Judentum angehörte, schlug nach Abschluss des Studiums der Medizin an der Univ. Wien (1885) die familiär vorgegebene medizinische Laufbahn nach zwei Jahren als Assistenzarzt sowie drei weiteren (bis 1893) als Assistent seines Vaters (Johann) an der Poliklinik Wien aus, obwohl er zahlreiche (rund 70) Besprechungen und kleinere Beiträge für die von Johann Schnitzler gegründeten Internationalen Klinischen Rundschau verfasst hatte. Schon frühe Tagebuch-Eintragungen dokumentieren ein tieferes, existenzielles Unbehagen, nämlich Aspekte der Zugehörigkeit und gleichzeitigen Fremdheit zur deutschen, österreichischen und jüdischen Kultur, die in den 1890er Jahren durch die Dreyfus-‚Affäre‘ auch in Wien vorgebliche Selbstverständlichkeiten, aber auch durch problematische habituelle Formen (Duell, Ehrkodex, Alltagsantisemitismus u.a.m.) neu in Frage gestellt bzw. zugespitzt hat. Diese kommen – neben formal innovativen Elemente (insbes. der Technik des ‚inneren Monologs‘ – in frühen Texten wie Freiwild (1896) und Lieutnant Gustl (1900) bereits klar zum Ausdruck.

Materialien und Quellen (Auswahl):

Eintrag Arthur Schnitzler Bibliographie; Eintrag von Reinhard Urbach auf: ÖBL; Eintrag von Konstanze Fliedl auf: NDB; Eintrag von H.-P. Bayerdörfer in A.B. Kilcher (Hg.): Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur. 2. Aufl. (2012), S. 453-457; Eintrag von P.H. Kucher auf: litkult1920er;

Eintrag A. Schnitzler-Gesellschaft;

Digitale kritische Edition (Werke 1905-31);

 

Forschungsliteratur (Auswahl):

Ch. Jürgensen, W. Lukas, M. Scheffel (Hgg): Schnitzler-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. 2., aktualis. u. erw. Aufl. Heidelberg: Metzler 2020;

Ulrich Weinzierl: Arthur Schnitzler. Lieben, Träumen, Sterben. Frankfurt a. M.: S. Fischer 1994; Gotthard Wunberg u.a.: Arthur Schnitzler (= Text + Kritik. Bd. 138/139). München: Ed. Text + Kritik 1998; Giuseppe Farese: Arthur Schnitzler. Ein Leben in Wien 1862–1931. München: Beck 1999; Bettina Riedmann: „Ich bin Jude, Österreicher, Deutscher“. Judentum in Arthur Schnitzlers Tagebüchern und Briefen (= Cond. Judaica 36), Tübingen: Niemeyer 2002; Peter Gay: Das Zeitalter des Doktor Arthur Schnitzler. Innenansichten des 19. Jahrhunderts. Frankfurt a. M.: S. Fischer 2002; Konstanze Fliedl: Arthur Schnitzler. Stuttgart: Reclam UB 17653 2005; Renate Wagner: Wie ein weites Land. Arthur Schnitzler und seine Zeit. Wien: Amalthea 2006; Achim Aurnhammer, Barbara Beßlich, Rudolf Denk (Hgg.): Arthur Schnitzler und der Film (= Klass. Moderne. Bd 15; Würzburg: Ergon 2010; Michael Rohrwasser, Stephan Kurz (Hgg.): „A. ist manchmal wie ein kleines Kind.“ Clara Katharina Pollaczek und Arthur Schnitzler gehen ins Kino (= Manu Scripta. Bd 2). Wien: Böhlau 2012; A. Aurnhammer: Arthur Schnitzlers Lektüren: Leseliste und virtuelle Bibliothek (= Klass. Moderne. Bd 19; Würzburg: Ergon 2013; Michael Scheffel: Arthur Schnitzler. Erzählungen und Romane. Berlin: Erich Schmidt 2015; Achim Aurnhammer, Dieter Martin (Hgg.): Arthur Schnitzler und die bildende Kunst. Würzburg: Ergon 2021.

(PHK, work in progress)