Seghers, Anna

Geb. 19.11. 1900 als Netti Reiling in Mainz (Dt. Reich), gest. 1.6. 1983 in Berlin-Ost (DDR). Schriftstellerin, Literatur- und Kulturpolitikerin, Exilantin u. Remigrantin.

Nach dem Abitur begann A.S. ein Studium der Geschichte, Kunstgeschichte u. Sinologie an den Universitäten Köln sowie Heidelberg, wo sie 1924 mit einer Dissertation zum Thema Jude und Judentum bei Rembrandt abschloss. In Heidelberg lernte sie zudem den KP-Aktivisten und ungar. Soziologiestudenten Lászlo Radványi kennen, den sie 1925 ehelichte. Seit 1924 erschienen ihre ersten Texte, meist Erzählungen, in Zeitungen (u.a. in der Frankfurter Ztg.), 1927 ihre erste selbständige Publikation Grubetsch unter dem Pseudonym Seghers. Im Folgejahr 1928 folgte die Erz. Der Aufstand der Fischer von Santa Barbara, für die von H.H. Jahnn für den Kleistpreis vorgeschlagen wurde, den sie 1929 erhielt und der sie als Schriftstellerin etablierte. Im selben Jahr trat sie als Gründungsmitglied dem Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller bei; 1930 folgte eine erste Reise in die Sowjetunion. 1933, nach dem NS-Machtantritt wurde A. S. verhaftet, konnte aber wieder freikommen und flüchtete zunächst mit ihren beiden Kindern in die Schweiz und von dort nach Frankreich (Paris) weiter. In Paris engagierte sie sich in der deutschen und internationalen Exil-Kultur-Szene und war z.B. 1935 Gründungsmitglied des im Exil neubegründeten Schutzverband[s] Deutscher Schriftsteller.

Nach der deutschen Okkupation von Paris flüchtete sie in den Süden Frankreichs, wo sie sich in Marseilles um die Ausreise sowie um die Freilassung ihres inhaftierten Gatten bemühte. Letzteres gelang im März 1941 durch die Erlangung mexikanischer Visa; diese Zwischenzeit bildet den Hintergrund ihres 1944 veröffentlichten Exilromans Transit. Die Überfahrt, organisiert vom Emergency Rescue Comittee, an der auch André Breton, Claude-Levi Strauss u.a. teilnahmen, brachte sie zuerst nach Martinique. Über New York und Veracruz gelangte die Familie schließlich nach Mexiko. Kaum in Mexiko-Stadt angekommen gründete sie den Heinrich Heine-Klub, dessen Präsidentin sie wurde, und gemeinsam mit L. Renn die Bewegung Freies Deutschland, verbunden mit einer gleichnamigen Zeitschrift. In dieser erschien z.B. 1943 ihr Text Ein Mensch wird Nazi. Zuvor schon, 1942, erschien ihr Flucht-Roman Das siebte Kreuz (auf Englisch in New York, auf Deutsch in Mexiko), welcher durch die Verfilmung durch Fred Zinnemann 1944 zu einem internationalen Erfolg wurde. Im Juni 1943 erlitt sie einen schweren Verkehrsunfall, der sie monatelang zu Behandlungen zwang.

1947 kehrte Seghers nach Berlin bzw. Deutschland zurück und trat der SED bei, wo sie fortan maßgebliche Funktion im Kulturbetrieb bekleiden sollte (Weltfriedensrat, Schriftstellerverband).

Weitere Werke (Auswahl):

Der Weg durch den Februar. Roman (Paris 1935); Die Rettung. Roman (Amsterdam 1937); Der Ausflug der toten Mädchen. (New York 1946, Neuausg. 2018); Die Toten bleiben jung. Roman (Berlin 1949, Neuausg. Darmstadt 1981) Die Hochzeit von Haiti. Zwei Novellen (Berlin 1949); Crisanta. Mexikanische Novelle (Berlin 1951, Neuausg. Berlin 1998)

Materialien und Quellen:

Eintrag von Christiane Zehl-Romero auf: fembio.org; Anna Seghers-Gesellschaft: https://anna-seghers.de/; Eintrag von Sonja Hilziger auf: NDB.

Eintrag von Detlef Kremer in: A.B. Kilcher (Hg.): Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur, 2. Aufl. 2012, S. 459-461.

Forschungsliteratur (Auswahl):

Kurt Batt: Anna Seghers. Versuch über Entwicklung und Werke. Frankfurt a. M. 2. Aufl. Röderberg-Verlag: 1980; Christa Wolf: Begegnungen mit Anna Seghers. In: Fortgesetzter Versuch. Aufsätze, Gespräche, Essays (= Reclams UB. Bd 773). 4. Aufl. Leipzig Reclam: 1985; Christiane Zehl Romero: Anna Seghers. Eine Biographie 1947–1983. Berlin: Aufbau Verlag 2003; Anita Wünschmann: Anna Seghers. Jüdin, Kommunistin, Weltbürgerin – die große Erzählerin des 20. Jahrhunderts. Berlin: Hentrich & Hentrich 2004; Monika Melchert: Heimkehr in ein kaltes Land. Anna Seghers in Berlin 1947 bis 1952. Berlin: Verlag für Berlin-Brandenburg 2011; Volker Weidermann: Brennendes Licht. Anna Seghers in Mexiko. Berlin: Aufbau Verlag2020; M. Melchert: Im Schutz von Adler und Schlange. Anna Seghers im mexikanischen Exil. Berlin: Quintus-Verlag 2020.
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(PHK, in preparation)